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Hormone und Medikamentenrückstände im Trinkwasser was können Wasserfilter leisten?

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit der Frage, welche Stoffe sich neben klassischen Mineralien oder Kalk im Leitungswasser befinden können. Besonders häufig fallen dabei Begriffe wie Hormone im Trinkwasser oder Medikamentenrückstände. Gleichzeitig fragen sich viele Verbraucher, ob moderne Wasserfilter solche Stoffe überhaupt reduzieren können.

Wichtig ist dabei eine sachliche Betrachtung: Deutsches Leitungswasser gehört zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln. Trotzdem können bestimmte Stoffe in sehr geringen Mengen in den Wasserkreislauf gelangen. Genau deshalb wächst das Interesse an leistungsstarken Filtersystemen für den Haushalt.

Doch welche Rolle spielen Medikamentenrückstände tatsächlich? Welche Filtersysteme kommen infrage? Und worauf sollte man bei einem Wasserfilter achten?

Medikamentenrückstände und Hormone im Wasser: Welche Filtertechnik ist geeignet?

Arzneimittelwirkstoffe, Hormone und andere organische Spurenstoffe können über den Wasserkreislauf in die Umwelt gelangen. Nachweise solcher Stoffe finden sich vor allem in Abwässern und Oberflächengewässern, teilweise auch im Grundwasser und vereinzelt im Trinkwasser.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Der Nachweis eines Stoffes in einem Gewässer bedeutet nicht automatisch, dass das Trinkwasser gesundheitlich bedenklich ist. In Deutschland unterliegt Trinkwasser strengen Anforderungen und Kontrollen.

Wenn du solche Spurenstoffe zusätzlich reduzieren möchtest, spielt vor allem die eingesetzte Filtertechnik eine Rolle. Aktivkohle, Ultrafiltration und Umkehrosmose unterscheiden sich dabei deutlich.

 

Wie gelangen Medikamentenrückstände in den Wasserkreislauf?

Arzneimittelwirkstoffe gelangen nach ihrer Anwendung teilweise über Ausscheidungen in das Abwasser. Weitere Einträge können beispielsweise durch unsachgemäß entsorgte Medikamente oder durch Anwendungen in der Tiermedizin entstehen.

Kläranlagen entfernen zahlreiche Bestandteile aus dem Abwasser. Einige Arzneimittelwirkstoffe und deren Abbauprodukte können mit konventionellen Verfahren jedoch nicht vollständig zurückgehalten beziehungsweise abgebaut werden.

Dadurch können Spuren solcher Stoffe in Flüsse, Seen und teilweise auch in das Grundwasser gelangen.

 

Sind Medikamentenrückstände im deutschen Trinkwasser ein Gesundheitsrisiko?

Medikamentenrückstände werden in Deutschland nur vereinzelt im Trinkwasser nachgewiesen und liegen dort typischerweise in sehr niedrigen Konzentrationen vor.

Nach heutigem Kenntnisstand sind gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen durch die bislang festgestellten Umweltkonzentrationen nicht bekannt. Gleichzeitig bestehen weiterhin wissenschaftliche Fragen dazu, welche langfristigen Auswirkungen eine dauerhafte Aufnahme sehr niedriger Konzentrationen verschiedener Spurenstoffe haben könnte.

Deshalb verfolgen Umwelt- und Wasserbehörden das Ziel, Einträge von Arzneimittelwirkstoffen bereits an der Quelle möglichst gering zu halten.

Für Verbraucher bedeutet das: Das Vorhandensein von Arzneimittelrückständen in der Umwelt sollte nicht mit einer akuten Gefährdung durch deutsches Leitungswasser gleichgesetzt werden.

 

Welche Wasserfilter können Medikamentenrückstände reduzieren?

Ob ein Wasserfilter organische Spurenstoffe reduzieren kann, hängt vom jeweiligen Stoff, der Filtertechnik und den Betriebsbedingungen ab. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass ein bestimmter Filter sämtliche Arzneimittelwirkstoffe oder Hormone entfernt.

Besonders relevant sind bei organischen Spurenstoffen Aktivkohle sowie weitergehende Aufbereitungsverfahren wie die Umkehrosmose.

 

Aktivkohlefilter

Aktivkohle kann wesentlich mehr als nur Geschmack und Geruch verändern. Aufgrund ihrer großen Oberfläche kann sie zahlreiche organische Verbindungen adsorbieren. Dazu können auch bestimmte Arzneimittelwirkstoffe und andere organische Spurenstoffe gehören.

Wie gut ein bestimmter Stoff zurückgehalten wird, hängt jedoch unter anderem von seinen chemischen Eigenschaften, der verwendeten Aktivkohle, der Kontaktzeit und dem Beladungszustand des Filters ab.

Deshalb ist der regelmäßige Filterwechsel besonders wichtig. Eine pauschale Rückhalterate für sämtliche Medikamentenrückstände lässt sich für Aktivkohlefilter nicht angeben.

 

Ultrafiltration

Ultrafiltration arbeitet mit einer feinporigen Membran und eignet sich insbesondere zur Rückhaltung von Partikeln, Trübstoffen und – abhängig von der Membran – Mikroorganismen.

Viele Arzneimittelwirkstoffe und Hormone liegen jedoch als wesentlich kleinere gelöste Moleküle im Wasser vor. Eine klassische Ultrafiltrationsmembran ist deshalb allein in der Regel nicht dafür ausgelegt, solche gelösten Spurenstoffe umfassend zurückzuhalten.

Damit unterscheidet sich die Ultrafiltration deutlich von der Umkehrosmose.

 

Umkehrosmose

Bei der Umkehrosmose wird Wasser unter Druck durch eine semipermeable Membran geleitet. Das Verfahren kann die Konzentration zahlreicher gelöster anorganischer und organischer Wasserinhaltsstoffe deutlich reduzieren.

Untersuchungen zeigen, dass Umkehrosmose auch bei vielen Arzneimittelwirkstoffen und anderen organischen Spurenstoffen eine hohe Rückhaltung erreichen kann. Die konkrete Leistung ist jedoch vom jeweiligen Stoff, der Membran und den Betriebsbedingungen abhängig.

Deshalb wäre auch hier die Aussage, eine Osmoseanlage entferne grundsätzlich alle Medikamentenrückstände oder Hormone vollständig, nicht korrekt.

Wie das Verfahren technisch funktioniert, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag zur Umkehrosmosemembran.

 

Aktivkohle, Ultrafiltration oder Umkehrosmose im Vergleich

Filtertechnik Typischer Schwerpunkt Relevanz bei organischen Spurenstoffen
Aktivkohle Adsorption organischer Stoffe, Geschmack und Geruch Kann zahlreiche organische Spurenstoffe adsorbieren; Leistung ist stoff- und filterabhängig
Ultrafiltration Partikel, Trübstoffe und je nach Membran Mikroorganismen Allein nur begrenzt für kleine gelöste organische Moleküle geeignet
Umkehrosmose Breite Reduktion gelöster Wasserinhaltsstoffe Kann zahlreiche Arzneimittelwirkstoffe und andere organische Spurenstoffe deutlich reduzieren

 

Warum die konkrete Filterleistung entscheidend ist

„Medikamentenrückstände“ bezeichnet keine einzelne Substanz. Arzneimittelwirkstoffe unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Molekülgröße, Ladung, Löslichkeit und weiterer chemischer Eigenschaften.

Deshalb kann ein Filtersystem bei einem Wirkstoff eine sehr hohe Reduktion erreichen und bei einem anderen Stoff eine geringere.

Bei der Auswahl eines Wasserfilters solltest du deshalb auf nachvollziehbare Angaben zur eingesetzten Filtertechnik und – sofern verfügbar – auf konkrete Prüf- oder Leistungsdaten für relevante Stoffgruppen achten.

 

Wartung und Filterwechsel nicht vergessen

Die Filterleistung hängt nicht nur von der eingesetzten Technik ab. Auch Wartung und regelmäßiger Filterwechsel spielen eine wichtige Rolle.

Aktivkohle besitzt beispielsweise nur eine begrenzte Adsorptionskapazität. Ist das Filtermaterial entsprechend beladen, nimmt seine Fähigkeit zur Aufnahme weiterer Stoffe ab.

Auch Membranen und andere wasserführende Komponenten sollten entsprechend den Vorgaben des jeweiligen Herstellers gewartet und gewechselt werden.

Automatische Spülprogramme können bei bestimmten Systemen den Betrieb der Membran unterstützen, ersetzen jedoch nicht die vorgesehenen Wartungs- und Filterwechselintervalle.

 

Was ist bei einem konkreten Verdacht auf eine Belastung sinnvoll?

Wenn du einen konkreten Grund für den Verdacht hast, dass dein Trinkwasser mit einem bestimmten Stoff belastet sein könnte, sollte zunächst geklärt werden, ob und in welcher Konzentration dieser Stoff tatsächlich vorhanden ist.

Erst danach lässt sich sinnvoll beurteilen, welches Aufbereitungsverfahren dafür geeignet ist.

Ein Wasserfilter sollte deshalb nicht als Ersatz für eine notwendige Wasseranalyse oder die Beseitigung einer bekannten Verunreinigungsquelle betrachtet werden.

 

Fazit: Medikamentenrückstände lassen sich nicht mit jedem Wasserfilter gleich behandeln

Arzneimittelwirkstoffe und andere organische Spurenstoffe gelangen hauptsächlich über Abwasser in den natürlichen Wasserkreislauf. Im deutschen Trinkwasser werden Arzneimittelrückstände nur vereinzelt und in sehr niedrigen Konzentrationen nachgewiesen.

Für eine zusätzliche Wasseraufbereitung kommen unterschiedliche Verfahren infrage. Aktivkohle kann zahlreiche organische Stoffe adsorbieren. Klassische Ultrafiltration ist dagegen vor allem für größere Bestandteile ausgelegt. Umkehrosmose kann die Konzentration vieler gelöster Stoffe einschließlich zahlreicher organischer Spurenstoffe deutlich reduzieren.

Welche Filtertechnik sinnvoll ist, hängt deshalb vom Ausgangswasser, dem konkreten Stoff und dem gewünschten Ergebnis ab.

Wenn du dich speziell für Umkehrosmose interessierst, findest du in unserem Ratgeber weitere Informationen dazu, wie du eine passende Osmoseanlage für deine Anforderungen auswählst.

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